Tipps für Editorial Illustration

Illustration ist ein toller Beruf, vor allem, da es viele Felder gibt, in denen man sich spezialisieren kann. Am liebsten mache ich Sachen für Zeitschriften und Magazine, also Editorial Illustration. Es ist spannend und interessant und man kommt mit vielen verschiedenen Themen in Berührung. Meistens rutscht man in seine Spezialisierung irgendwie rein, wie überhaupt oft gesamt in die Illustrations-Karriere, und gerade verlege ich mich mehr und mehr auf Editorial - Sachen.

 

Editorial Illustration bedeutet, einen Text mit einem Bild zu begleiten, zu visualisieren und zu erklären. Dafür muss man ein gutes Textverständnis mitbringen, sich mit dem Thema auskennen - eigeninitiative Recherche bleibt da nicht aus, man braucht Hintergrundinfos! - und sich detailliert mit dem/der zuständigen Art Director/in ausgetauscht haben. Anschließend geht es los.

 

Aber wie fängt man damit überhaupt an, bzw. was muss man beachten? Nun:

1. Das Editorial Illustration - Portfolio auf Vordermann bringen & üben

Wichtig ist es natürlich, ein aussagekräftiges Portfolio vorzuweisen, damit potenzielle Kunden auf einen aufmerksam werden und sich anschauen können, was man überhaupt zu bieten hat. Anfangs ist es natürlich schwer, ein Portfolio vorlegen zu können, wenn man noch keinen Auftrag im Feld Editorial hatte. Auch hier gibt es eine einfache Lösung: Üben!

 

Schnappt euch den SPIEGEL, die ZEIT, ein Wissenschaftsmagazin, je nachdem, zu welchem Thema ihr euch hingezogen fühlt, lest Artikel und illustriert sie einfach. So bekommt ihr Übung und ein Gefühl für dieses Tätigkeitsfeld und baut nebenbei euer Portfolio entsprechend auf.

Ihr könnt auch mit Studenten-Magazinen und ganz neuen Magazinen in Kontakt treten und gratis Illustrationen anbieten, sollte das für euch kein Problem sein. So könnt ihr gleich den Rezensions-Ablauf zwischen Auftraggeber und euch kennenlernen und ihr werdet schon publiziert. Das hilft nicht nur dem visuellen Portfolio, sondern beschert euch schon die ersten Einträge eurer Referenzliste.


So etwas lässt sich übrigens schon super neben dem Studium aufbauen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man seine ersten Aufträge schon vor Beendigung eines Illustrations-Studiums abgreift und sich so schon einen Namen in der Kunst-Welt macht.

2. Aufmerksamkeit bekommen

Wenn ihr euer Editorial - Portfolio zu eurer Zufriedenheit aufgebaut habt, wäre es natürlich auch toll, wenn das jemand sehen würde; sonst war das ja alles vergebliche Liebesmüh'. Das ist aber gar nicht so schwer. Für mich war die Einrichtung eines Tumblr-Blogs 2009 noch vor richtigem Anlaufen meiner Illustratoren-Karriere der Startschuss in die richtige Richtung. Stellt eure Sachen online aus, sei es bei Tumblr, Instagram, Behance, Deviantart, Facebook, Twitter oder alles zusammen: Baut euch eine Fanbase auf und sucht den Kontakt mit anderen Künstlern - deren Einflüsse können sehr inspirierend sein.


Weiterhin könnt ihr noch ganz klassisch Postkarten, kleine Kalender und Co. an Art Directors von Magazinen schicken, am Besten etwas, das auf dem Schreibtisch stehen oder liegen kann. Vielleicht hat die Person gerade keinen Auftrag anzubieten, wenn dann aber wieder eine neue Illustration benötigt wird, sieht er oder sie dann vielleicht euren Notizblock auf dem Tisch mit eurem Motiv und ruft euch an. Traditionell ist es auch üblich, Postkarten mit Motiven an Agenturen und alle möglichen Redaktionen zu schicken. Diese sammeln sie und ziehen sie im Falle eines neuen Projekts zu Rate.

3. Informiert bleiben

Wenn man Editorial Illustration als sein Steckenpferd wählt, tritt man in die Pressewelt ein, man arbeitet journalistisch (ja!) und hat dann auch Anspruch auf Presseausweise und Co. Was aber damit immer einher geht, ist: Man muss informiert sein. Das bedeutet Zeitungen und Newsportale lesen, Nachrichten schauen, Twitter lesen und so weiter. Man sollte Ahnung haben, was in der Welt vor sich geht, da man, schneit ein Auftrag rein, sicher nicht noch nächtelang wach bleiben und alles aufholen und nachlesen will, damit man für den Auftrag gewappnet ist. Blöd wäre auch, wenn ein Magazin anruft, einen Artikel illustriert haben möchte und am Telefon feststellt, dass man keine Ahnung hat. Noch schlimmer ist es, wenn man z.B. einen Artikel zu einem politischen Konflikt illustrieren soll, sich nicht richtig auskennt und in ein Fettnäpfchen tritt - diese Redaktion ruft dann sicher nie mehr an.

Denkt daran: Als Editorial Illustrator/in erschafft man oft visuelle Kommentare zu aktuellen Ereignissen - es ist daher unglaublich wichtig, sich in diesen auch auszukennen und am Ball zu bleiben.

4. Kundenfreundlichkeit und Service

Das ist ein Punkt, von dem euer Erfolg und Scheitern maßgeblich abhängt, wenn ihr in die Freelance-Illustration geht. Glücklicherweise habe ich einen tollen anderen Job bei Jimdo, bei dem ich mich einerseits um Konzept-Sachen kümmere, andererseits aber viel mit Kunden beschäftige und auch Moderations- und Schlichtungs-Aufgaben übernehme. Dort habe ich vieles gelernt und trainiert, was mir bei meiner Illustratoren-Karriere wahnsinnig hilft: Freundlichkeit, Geduld, Gelassenheit und Deeskalation bei aufgebrachten oder frustrierten Kunden

Es ist das A und O, dass ihr einen kundenfreundlichen Service anbietet. Das bedeutet, dass ihr den Wünschen der Art Direction gut zuhört und sie entsprechend berücksichtigt und umsetzt. Ihr solltet auf jeden Fall flexibel und immer gelassen und zuvorkommend auftreten. Flexibel sein bedeutet nicht, dass ihr auch noch die 8. unbezahlte Korrektur-Runde mitmacht, jedoch die Wünsche des Kunden (im vertraglich abgesteckten Rahmen) über eure eigenen Wünsche stellt. Konkret bedeutet das: Wenn der Kunde den ersten Entwurf kritisiert, darf man das nicht persönlich nehmen. Es bedeutet nicht, dass ihr schlechte Kunst abliefert, sondern einfach, dass es einfach noch nicht das Passende war. Der Kunde hat euch ausgewählt, weil die Sachen gefallen haben. Kritik ist normal und üblich, wenn dem Kunden also etwas nicht gefällt, ihr es aber toll findet: Egal, ändert es! Passt euch den Kundenwünschen an, schließlich werdet ihr dafür auch bezahlt. Illustration ist in erster Linie eine Dienstleistung und unterscheidet sich nämlich genau hier von freier Kunst.

 

Ihr braucht einen guten Ruf, von eurer Reputation hängt nämlich auch eure Auftragslage ab - Vitamin B und Mund-zu-Mund-Propaganda sind oft der Schlüssel, und wenn ihr als Illustrator/in geltet, mit dem/der man nur schwierig arbeiten kann, habt ihr ein echtes Problem.

Abschließend lässt sich zusammenfassen: Habt ein gutes Editorial Illustration - Portfolio aufgebaut, zeigt eure Kunst online, seid freundlich, flexibel und arbeitet kundenorientiert, kennt euch im aktuellen Tagesgeschehen und in eurem Berufszweig aus. Arbeitet konsequent und mit Begeisterung, lernt, mit negativer Kritik umzugehen und habt Geduld - dann steht eurer Karriere nicht mehr im Wege! :)