100 Drawings - Tag 10: Selbstportrait

100 drawings - Felice Vagabonde, Illustratorin aus Hamburg! selbstportrait, (c) 2015

Es ist Nacht, ich kann nicht schlafen und dann dachte ich mir: Hey, zeichne ich mich doch mal selbst in Photoshop.

 

In der 8. Klasse mussten wir unser erstes Selbstportrait malen, es war eine Qual. Ehrlich gesagt hatten wir alle absolut kein Gefühl dafür, wie wir eigentlich aussehen, was an uns markant war und was nicht und überhaupt fand ich es schrecklich. Keine Ahnung, was in den frühen Menschen vorgehen gemocht hat, wenn sie ihr eigenes Spiegelbild in einem Teich erblickt haben, aber bestimmt war ihr erster Drang nicht: Das male ich jetzt mal.

 

Mittlerweile habe ich das ein oder andere Selbstportrait hinter mir, und nach und nach bekommt man ein Gefühl für seine Physiognomie. Das, was man zeichnet, versteht man und was man nicht versteht, kann man auch nicht darstellen, sondern muss es erst "lernen". So habe ich mich Bild für Bild ein bisschen an mich herangetastet. Zeichnen schafft Intimität, wenn ich jemanden abzeichne und mit dem Stift die Nackenlinie auf Papier entlang taste ist es so, als würde ich einen Finger nehmen und über die Körperstelle der Person streichen. Man erkundet das Gesicht des anderen und brennt es in sein inneres Auge ein, es ist wie ein Gipsabdruck, den man im Kopf ablegt und speichert - und in Punkto Selbsterfahrung tut das Künstlern gut, das auch immer mal bei sich selbst zu machen.